Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz – wenn das Recht hinterherhinkt
- 6. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Stress, Druck, Konflikte, Erschöpfung – psychische Belastungen am Arbeitsplatz gehören für viele Menschen längst zum Alltag. Sie zählen heute zu den häufigsten Ursachen für Krankheitsausfälle und betreffen Unternehmen aller Branchen. Gleichzeitig bleibt die psychische Gesundheit vieler Arbeitnehmender rechtlich unzureichend geschützt.

Im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) ist das Thema längst angekommen. Viele Unternehmen investieren in Prävention, Resilienz und eine gesunde Unternehmenskultur. Doch im Schweizer Arbeitsrecht und insbesondere im Unfallversicherungsrecht zeigt sich eine Lücke: Wann wird eine psychische Erkrankung tatsächlich als Berufskrankheit anerkannt? Und warum geschieht das so selten?
Diesen Fragen geht Marc Wohlwend in seiner neuen Dissertation „Zur Kausalität zwischen psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz und Erkrankungen“ nach. Die Publikation, erschienen im sui generis Verlag, untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen Arbeitsbelastung, psychischen Erkrankungen und rechtlicher Bewertung.
Der Autor zeigt auf, dass Depressionen, Burnout oder stressbedingte Erschöpfung im Schweizer Rechtssystem bislang kaum als arbeitsbedingte Krankheiten anerkannt werden. Dabei verbindet er juristische Analyse mit Erkenntnissen aus Arbeitsmedizin, Psychologie und Epidemiologie – ein interdisziplinärer Ansatz, der neue Perspektiven für Forschung, Politik und Unternehmen eröffnet.
Warum die Arbeit von Marc Wohlwend wichtig ist
Eine gesunde Arbeitsumgebung ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Unternehmen mit einer starken BGM-Strategie profitieren von weniger Absenzen, höherer Motivation und langfristiger Mitarbeitendenbindung. Gleichzeitig zeigt Wohlwends Arbeit: Wenn das Recht die Realität psychischer Erkrankungen nicht abbildet, bleiben Prävention und Verantwortung Stückwerk.
Für Fachpersonen aus Gesundheitsschutz, Prävention, Sozialversicherungsrecht und Arbeitsrecht bietet die Dissertation wertvolle Einblicke und Denkanstösse – gerade im Spannungsfeld zwischen jurischer Dogmatik und betrieblicher Praxis.
Das Buch ist im sui generis Verlag erschienen und steht sowohl gebunden als auch als Open-Access-Publikation zur Verfügung:
Fazit: Ein Weckruf für Unternehmen und Politik
Die Dissertation von Marc Wohlwend macht deutlich, wie eng psychische Gesundheit, Arbeitsbedingungen und rechtliche Verantwortung miteinander verknüpft sind. Sie ist ein Weckruf an Unternehmen, Behörden und Entscheidungsträger, die psychische Belastung am Arbeitsplatz ernst zu nehmen – nicht nur im Rahmen des BGM, sondern auch im Rechtssystem.
Das Forum BGM Zentralschweiz unterstützt Forschung und Projekte, die zeigen, wie betriebliche Gesundheit ganzheitlich verstanden werden kann. Denn eine gesunde Arbeitswelt entsteht dort, wo Wirtschaft, Wissenschaft und Recht gemeinsam Verantwortung übernehmen.

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